Chiayi
Chiayi ist eine Stadt mit rund 270'000 Einwohnerinnen und Einwohnern im Südwesten von Taiwan. Sie gilt als Tor zum Alishan-Gebirge.
Leider war ich zu spät dran, um eine Reservation für die berühmte Alishan-Bahnstrecke zu machen. Sie war nicht nur für heute, sondern bereits bis zum Ende meiner Reisezeit ausgebucht. Mir wurde erzählt, dass man früher gar nicht reservieren konnte – viele standen damals schon um vier oder fünf Uhr morgens an, um ein Ticket zu ergattern. So reiste ich bald weiter.
Kunstmuseum
Im Kunstmuseum war die Ausstellung The Light Beyond Shadows zu sehen – Werke von drei taiwanesischen Künstlern, die sich von Plein-Air-Malerei aus der japanischen Kolonialzeit inspirieren liessen. Alle drei wurden in den 1930er-Jahren in Chiayi geboren. Besonders spannend fand ich, dass mindestens einer von ihnen untertauchen musste und unter falschem Namen nach Kaohsiung zog.
Song of the Forest
Dabei handelt es sich um eine kunstvolle Kuppel, erbaut aus alten Bahnschwellen. Leider war die Anlage gerade in Renovation und daher nicht zugänglich.
Alishan Railway Garage Park
Im Alishan Railway Garage Park standen mehrere alte Lokomotiven, Personen- und Güterwagen der Bahngesellschaft – einige dampfbetrieben, andere mit Diesel. Die meisten wurden in Taipeh hergestellt. Besonders schön fand ich die kreativen Sitzbänke aus Eisenbahnrädern und Schwellen – und natürlich die Drehscheibe, ein technisches Highlight.
Sleeping Forest
Ein kleiner, verspielter Park mit zahlreichen Statuen von schlafenden Tieren – ideal für eine kurze Verschnaufpause.
Hinoki Village
Hinoki Village ist bekannt für seine gut erhaltenen Holzgebäude. Ursprünglich waren dies die Wohnhäuser der Angestellten des Forstbüros. Während der japanischen Besatzung war es das erste Forstdorf in Taiwan – und bis heute das einzige, das als Holzstruktur-Ensemble erhalten geblieben ist. Insgesamt besteht das Dorf aus 29 Gebäuden.
Trotz des charmanten, japanisch anmutenden Ambientes war ich etwas enttäuscht: Fast alle Häuser sind heute Shops, und zur Geschichte selbst erfährt man kaum etwas. Etwas erstaunt war ich auch über die Shawn the Sheep-Statuen auf der Wiese.
In einem der Läden fand ich schöne Holzschnitzereien – meist traditionell, aber eines zeigte Darth Vader. An einer Mauer hingen die typischen japanischen Holzfische – ein beliebtes Fotomotiv.
Old Prison
Zuerst dachte ich, man müsse Eintritt bezahlen – aber der Zugang war frei.
Im Inneren gab es eine kleine Ausstellung. Ich war überrascht, wie gut die Zellen ausgestattet waren – inklusive relativ moderner Toiletten. Später erfuhr ich, dass diese erst nachträglich eingebaut wurden. Das Gefängnis wurde 1922 eröffnet und ist das am besten erhaltene Gefängnisgebäude aus der japanischen Kolonialzeit in Taiwan.
Das Gefängnis war so konzipiert, dass eine zentrale Beobachtungsstation alle drei Flügel überblicken konnte. So war es möglich, mit nur einer Person alle Insassen zu überwachen. Die drei Korridore trugen die Namen Wisdom, Benevolence und Braveness.
Die Gefangenen folgten einem strikten Tagesablauf. Nachmittags sowie an Feiertagen waren sie stets in ihren Zellen eingeschlossen. Interessant war auch, dass die Wärter anfangs Polizeiuniformen trugen – um die Staatsgewalt zu symbolisieren. Erst später bekamen sie eigene Uniformen.
Auch die Häftlingskleidung veränderte sich: Anfangs grau, später blau. Zudem wurde zwischen Sommer- und Winteruniform unterschieden.