Tainan
Tainan ist die älteste Stadt Taiwans und gilt als kulturelles Herz der Insel. Sie liegt im Südwesten des Landes und war einst Hauptstadt – zuerst unter der niederländischen Kolonialmacht, später während der Qing-Dynastie.
Mein Hostel «Old Man Captain» war an einem unerwarteten Ort: direkt im Bahnhof, mitten im Family Mart. Zwischen Regalen führte eine unscheinbare Tür in die Unterkunft – surreal, aber sehr praktisch.
Mit dem Busfahren lief es in Tainan nicht besonders rund. Oft zeigte Google an, dass ein Bus komme, und sogar der Fahrplan an der Haltestelle bestätigte das – aber der Bus erschien einfach nicht. Später hiess es, er sei bereits abgefahren, obwohl ich die ganze Zeit gewartet hatte. Wie ich später erfuhr, gibt es Buslinien mit höheren Nummern, die aber nicht als solche erkennbar sind. Sie sehen aus wie normale Autos, haben keine Beschriftung. Ein Einheimischer meinte, selbst die Leute vor Ort mieden diese, weil sie so schwer zu benutzen seien.
Anping Tree House
Das Treehouse ist ein altes Lagerhaus der britischen Handelsfirma Tait & Co, das während rund 60 Jahren von Banyanbäumen überwuchert wurde. Heute wachsen ihre Wurzeln über Wände und Dächer – ein beeindruckendes Naturkunstwerk. Holzstege und Treppen führen durch und über das Gebäude und ermöglichen spannende Einblicke.
Auf einem Infotafel war zu lesen, dass das Holz einst als minderwertig galt, die Menschen sich aber über den Schatten freuten, den die Bäume spendeten. Die Banyans wurden gar verehrt – Eltern beteten zum «Baumgott», damit ihre Kinder stark und gesund aufwachsen.
Auf einer weiteren Plattform hatte man einen schönen Ausblick über das ganze Gelände und den angrenzenden Fluss. Von dort oben sah man auch eine tiefere Plattform, auf der sich viele Karpfen unter einem Futterautomaten versammelt hatten – offenbar gut konditioniert.
Ein Vogel stand ebenfalls dort unten, direkt im Schatten unter einer Bank. Er liess sich von meiner Anwesenheit kaum stören, aber ich hielt dennoch respektvoll Abstand – sein Schnabel war beachtlich.
In einem Nebengebäude, dem ehemaligen Handelshaus «Tait & Co Merchant House», zeigte eine Ausstellung, wie Anping in den 1860er-Jahren vom internationalen Handel profitierte. Nach dem Opiumkrieg war der Hafen für ausländische Schiffe geöffnet worden. Grosse westliche Firmen kamen ins kleine Fischerdorf. Sie arbeiteten oft mit lokalen Händlern, sogenannten «Compradors», zusammen – diese kannten den Markt und vermittelten Geschäfte gegen Kommission. Manche von ihnen wurden damit finanziell stärker als die ausländischen Unternehmen und investierten später sogar in diese.
Anping Fort
Während ich gerade einen Lauchkuchen ass, kamen plötzlich Keira und Roger vorbei – zwei Reisende, die ich auf Orchid Island im gleichen Hostel kennengelernt hatte. Ein Zufallstreffen mitten in Tainan!
Das Fort wurde im 17. Jahrhundert von den Holländern unter dem Namen «Fort Zeelandia» errichtet – als weit entferntester Aussenposten ihres damaligen Reichs. Wegen Konflikten mit lokalen Gruppen musste es immer wieder repariert und verstärkt werden. Es verfügte über unterirdische Lagerräume (rund 3 m tief) sowie massive Mauern – 9 m hoch und 1.8 m dick.
Während der japanischen Kolonialzeit wurden Teile des Forts neu aufgebaut oder restauriert.
Parks
Entlang des Hafens reihen sich mehrere grössere Parkanlagen: zuerst der Cahamu Indigenous People Park, gefolgt vom Historic Harborside Park mit einem grosszügigen Spielplatz, verschiedenen Statuen und sogar fest installierten Flugzeugen. Der Lin Mo-niang Park am Ende beeindruckt mit einer grossen Statue.
Eternal Golden Castle
Das Fort war einst für 1'500 Soldaten ausgelegt. In der Mitte befand sich früher ein grosser Wasserpool, der bei Artillerieangriffen zum Löschen von Bränden diente. Heute ist er zugeschüttet. Man kann dem Rundgang auf der Mauer folgen und dabei die alten Kanonen bestaunen.
Der Wassergraben war so tief angelegt, dass man darin nicht stehen konnte – eine bewusste Verteidigungsmassnahme.
Hayashi Department Store
Ein im japanischen Stil erbautes Kaufhaus aus der Kolonialzeit, 192 eröffent und heute noch in Betrieb. Ein grosser Teil der Originaleinrichtung ist erhalten geblieben – es wirkt dadurch eleganter und stilvoller als moderne Einkaufszentren.
Der Aufzug war damals eine Seltenheit.
Im obersten Stockwerk findet man etwas Ungewöhnliches: einen kleinen Schrein. Laut Angaben vor Ort ist es der einzige Schrein in Taiwan, der sich im obersten Stock eines Warenhauses befindet. Errichtet wurde er ein Jahr nach der Eröffnung.
Daneben sind auch Bombenschäden aus dem Zweiten Weltkrieg erhalten geblieben – als Mahnmal.
Gassen
Tainan bietet viele charmante alte Gassen. Besonders bekannt ist die Shennong Street – am Abend mit ihren traditionellen Laternen besonders stimmungsvoll.
Night Market
Schon 200 Meter vor dem Eingang fragte ich mich, ob ich wirklich richtig war – keine Menschenseele weit und breit. Doch plötzlich öffnete sich ein riesiger Parkplatz voller Scooter, und dahinter lag der Markt: gross, lebendig, vielfältig.
Neben Essensständen gab es auch Verkaufsaktionen, Bogenschiessen, Hämmerwettkämpfe und viele weitere Attraktionen.
Hier einige Videoimpressionen: