Taitung
Taitung liegt an der südöstlichen Küste Taiwans. Ganz in der Nähe befindet sich der Geopark Xiaoyeliu den man bequem mit dem Fahrrad erreichen kann.
Der Bahnhof von Taitung liegt deutlich ausserhalb des Stadtzentrums. Daher entschied ich mich diesmal, kein Hostel in der Nähe des Bahnhofs zu buchen. Wie in Japan gibt es auch hier an den Bahnhöfen oft Stempel – in Taitung sogar gleich sieben verschiedene. Der Bus, mit dem ich in die Stadt fuhr, nannte sich zwar Sightseeing Bus, doch die Fensterscheiben waren mit dunkler Folie überzogen, was das Fotografieren eher schwierig machte.
In der Nähe meines Hostels entdeckte ich einen Burgerladen, in dem ich zwei ausgefallene Varianten bestellte: einen Burger mit Reisbun und einen weiteren, bei dem der Salat das Brot ersetzte.
Der Liyu Mountain Park gilt als Hausberg von Taitung (Höhe 75m). Zwar war eine der Treppen gesperrt, doch es gab genügend alternative Zugänge zu den Wanderwegen. Mein Spaziergang begann bei der Dragon-Phoenix-Pagode und führte mich über zahlreiche Stufen zu einer Aussichtsplattform. Im Herzen des Parks wurde die Tierwelt deutlich lebendiger: Vögel zwitscherten, Schmetterlinge flatterten umher, grosse Bienen summten, und auch einige grössere Eidechsen kreuzten meinen Weg. Immer wieder donnerten Kampfjets über die Stadt hinweg. Schliesslich erreichte ich die Lishou Scenic Plattform.
Hier einige Videos zum Liyu Mountain Park:
Das Hostel stellte zwei Fahrräder kostenlos zur Verfügung. Eines davon hatte einen Metallkorb, der schon fast auseinanderfiel und spitze Kanten aufwies – nicht ideal für meinen neuen Rucksack. Ich wählte daher das andere mit einem Plastikkorb.
Bei der Post fielen mir Taubenstatuen auf – wohl eine Anspielung auf Brieftauben.
Ich radelte weiter bis ans Meer. Unterwegs sah ich eine junge Frau joggen, mit dem Mobiltelefon in der Hand. Als sie auf eine Gruppe streunender Hunde traf, zögerte sie kurz und kehrte dann um. Ich stieg zwar zum Strand hinunter, lief diesen Abschnitt aber nicht entlang. Stattdessen blieb ich oben auf dem Radweg und fuhr an den Hunden vorbei, um später erneut einen Zugang zum Strand zu suchen.
Im Taitung Seashore Park traf ich auf einige interessante Kunstinstallationen: ein gestrandeter Wal, Muscheln, Schildkröten und farbig bemalte Felsen in Baumform. Auch ein Boot war Teil der Ausstellung. In einem Abschnitt mit grösseren Steinen entdeckte ich viele davon mit Tiermotiven bemalt.
Die Route führte mich über eine lange Brücke, die einen Zufluss zum Meer überquerte. Von oben konnte man die künstlich angelegten Böschungen gut erkennen. Das Wasser war ruhig – offenbar ein Schwimmbereich.
Ich wollte zum Hafen und fuhr durch das Dörfchen Fugang. Unterwegs entdeckte ich einen mobilen Händler für Elektrowerkzeuge. Er hatte sein Sortiment – darunter Sägen, Bohrmaschinen und Akkuschrauber – hübsch auf dem Gehweg ausgebreitet und sass selbst gemütlich unter einem Sonnenschirm.
Das Hafengebäude war rasch gefunden. Es gab dort Ticketschalter für die Inseln Green Island und Orchid Island, die ich in den nächsten Tagen besuchen wollte. Mein Ticket für Green Island hatte ich über die Plattform kkday gebucht. Zwar liess sich alles bequem auswählen, doch erhielt ich kurz darauf eine E-Mail, wonach die gewünschte Rückfahrt gar nicht existiere. Stattdessen buchte man mir eine viel frühere Verbindung. Ich reagierte rasch und bat um mehr Zeit auf der Insel. Am Ende musste ich zwar den Reisetag ändern, erhielt dafür aber eine spätere Rückfahrt.
Für die Fahrt nach Orchid Island half mir der Hostelbesitzer. Auf der offiziellen Webseite waren nur Rundreisen buchbar. Ich wollte jedoch von Taitung direkt nach Orchid Island und später weiter nach Kenting. Der Besitzer konnte die Verbindung über ein lokales chinesisches Buchungssystem organisieren, das über eine Chat-App läuft. Ohne ihn hätte ich da keine Chance gehabt. Er selbst hatte vor neun Jahren seinen Job gekündigt und war zwei Jahre lang auf Weltreise – unter anderem auch in Mürren. Danach gründete er sein Hostel.
Am Schalter informierte man mich, dass die Tickets existieren, jedoch erst am Abreisetag abgeholt werden können. Ich konnte also noch nichts im Voraus erledigen. Als ich wieder hinausging, fand ich plötzlich einen Helm im Fahrradkorb. Mein Velo war auffällig zwischen unzähligen Mopeds geparkt. Ich fragte bei einem Reiseanbieter nebenan nach – dort lagen ebenfalls Helme – aber man wusste von nichts. Also setzte ich den Helm einfach auf und radelte weiter.
Die nächste Station war der Xiaoyeliu Geopark. Dort gab es kostenpflichtige Rastplätze in verschiedenen Varianten – von einfachen Plattformen bis zu kleinen überdachten Flächen mit Feuerstellen, Trinkwasser und Abfalleimern. Benutzt wurde allerdings keine davon.
Im Besucherzentrum erfuhr ich mehr über die Region. Der Hafen von Fugang profitiert stark von der Kuroshio-Strömung, die viele Fische mit sich bringt.
Ich ging hinunter zur Küste, in einen Abschnitt namens Rocka Area, wo man eindrückliche Felsformationen bestaunen kann, die über Jahrtausende vom Meer geformt wurden – darunter Sandstein mit spannenden Texturen. In der Ferne, knapp 40 Kilometer entfernt, war Green Island bereits sichtbar.
Ich begann nach Tieren Ausschau zu halten. Zuerst entdeckte ich gut getarnte, winzige Krabben. Weiter vorne, näher beim Meer, gab es deutlich mehr davon – ebenso einige Eidechsen und kleine Fische. Ein Tier, das ich besonders sehen wollte, war die Einsiedlerkrebs. Sie leben in Schneckenhäusern und bewohnen die löchrigen Felsen. Und tatsächlich, auf dem Rückweg entdeckte ich plötzlich mehrere – in allen Grössen.
Nächster Halt war Jialulan – ein Ort mit Kunstobjekten und einem Aussichtspunkt aufs Meer. Besonders eindrücklich war ein Holzbau mit Röhre. Am Parkplatz stand ein typisches Schild mit einer lokalen Warnung: Achtung beim Öffnen der Autotür wegen starkem Wind.
Auf dem Rückweg, bei der Sugar Factory in der Stadt, bekam ich einen Platten. Die Luft entwich sofort, das Loch im Pneu war klar sichtbar. Zuerst fand ich nichts Auffälliges, entdeckte dann aber einen scharfen Stein. Vermutlich war der Pneu schon so abgenutzt, dass das ausreichte. Es hätte schlimmer kommen können. Ich schob das Fahrrad die letzte halbe Stunde zurück und informierte den Hostelbesitzer. Er meinte nur, die Fahrräder seien ohnehin so alt, dass er schon überlege, sie abzuschaffen.
Hier einige Videos zur Fahrradtour: