Hualien
Hualien an Taiwans Ostküste besticht nicht nur durch seine beeindruckende Natur, sondern auch durch lebendige Kulturstätten wie den Dongdamen Night Market.
Die Hauptattraktion Hualiens ist eigentlich die Taroko-Schlucht. Diese wurde jedoch beim Erdbeben 2024 stark beschädigt und befindet sich derzeit noch im Wiederaufbau.
Nach der Ankunft am Bahnhof gönnte ich mir ein Bento – ja, auch in Taiwan sind sie beliebt. Ich ass es auf einer Sitzbank. Neben mir sass ein gebürtiger Taiwanese, der heute in den USA lebt. Wegen Trump überlegt er sich, zurückzukehren, und schaut sich hier um. Er warnte mich eindringlich vor streunenden Hunden – diese seien weit verbreitet und potenziell gefährlich.
Tzi Chi Cultural Park
Im Tzi Chi Cultural Park befindet sich ein eindrückliches Gebäude der nationalen buddhistischen Vereinigung, das der Öffentlichkeit offensteht. In den Gängen hängen Projektbeschreibungen zu Themen wie Entwicklungshilfe, Kinderunterstützung, Katastrophenhilfe, Drogenprävention, Altersbetreuung und Seelsorge für Gefangene. Besonders imposant war die grosse Halle. Im Aussenbereich stehen zahlreiche Steinskulpturen.
Pine Garden
Der Pine Garden umfasst die letzten erhaltenen japanischen Militärgebäude in Hualien. Beeindruckend waren die Strangler Figs, welche Eingänge und Kamine umwuchert haben. Einige Kiefern sind so alt, dass sie gestützt werden müssen. Im Café probierte ich Glace mit Kiefernnadelgeschmack – war ganz ok.
Einige der Gebäude sind von Pflanzen überwuchert. Es gibt auch einen kleinen Luftschutzbunker für etwa 20 Personen.
Dongdamen Night Market
Der Markt besteht aus mehreren Gassen – eine eher chinesisch geprägt, eine mit Fokus auf die indigene Bevölkerung. Richtig lebendig wird es dort ab etwa 18 Uhr. Beim ersten Besuch war ich etwas zu früh.
Hier einige Videos zum Nachtmarkt:
Fahrradtour
An einem Morgen mietete ich beim Bahnhof ein Fahrrad. Der Verleiher zeigte grosses Vertrauen: Er verlangte nur den Mietpreis, kein Depot, keinen Ausweis. Das Rad war in ausgezeichnetem Zustand – höhenverstellbarer Sattel, 21 Gänge, funktionierende Bremsen und Licht.
Der Anfang war etwas zäh: Viele Ampeln und unzählige Mopeds, die mich überholten. Doch beim Hafen fand ich den Radweg (Liangtan Corniche Bike Path) – ab da war es gemütlich.
Entlang des Hafens stand ein Schild, das erklärte, dass hier einst indigene Gruppen lebten, bis das Gebiet für den Bau des Hafens benötigt wurde. Ein kleiner Teil wurde später in einen Erinnerungspark umgewandelt.
Beim Hafenbahnhof standen Skulpturen entlang des Perrons. Der Übergang zum Gleis führt über eine „Landscape Bridge“ mit Aussichtsplattform. Belustigend waren die Vogelscheuchen-Bauarbeiter, die in Taiwan häufig als Attrappen eingesetzt werden – aus der Ferne kaum von echten Menschen zu unterscheiden.
Bald erreichte ich die schönen Küstenabschnitte: Idyllische Steinstrände, frei zugänglich und fast menschenleer. Wie überall an der Ostküste gilt: Schwimmen ist wegen der starken Wellen gefährlich.
Bei Qixingtan wurde der Strand nochmals schöner – mit Treppen für besseren Zugang.
Noch etwas weiter nördlich liegt der Scenic Park – mit bunten Wandmalereien, Skulpturen und einem WC-Gebäude, das wie ein Piratenschiff gestaltet ist.
Ich besuchte das Bonito Fish Flakes Museum. Die Flocken werden z. B. für Fischsuppe verwendet. Der Eintritt war wohl kostenlos – ich konnte einfach hineinspazieren.
Gezeigt wurde das traditionelle „Qiangou“-Netz: Entdeckte man eine Fischschule, ruderten Boote hinaus, spannten ein Netz, und am Ufer zog man es gemeinsam ein. Wer mithalf, erhielt einen Anteil am Fang.
Hualien und Taitung sind die Hauptzentren des Fischfangs in Taiwan. Die fix montierten Netze ermöglichen nachhaltigen Fang durch bessere Kontrolle.
Nur ca. 18 % des Fisches eignen sich für die Flockenherstellung. Die Räucherung ist heikel – mit falschem Holz verdirbt man die Ware.
Der Produktionsprozess ist aufwändig: aussortieren, ausnehmen, kochen, entgräten, dann dreifach mit abnehmender Temperatur, dafür aber zunehmendem Zeitbedarf trocknen.
Die Ausstellung ist interaktiv – man kann Fische an Seilen hochziehen, auf Papier durchpausen oder nach Gewicht sortieren.
Die Raumhöhe fiel mir sofort auf: Teilweise konnte ich nur gebückt gehen. Später erfuhr ich: Der Räucherofen erstreckt sich über mehrere Stockwerke – die Raumhöhe ist funktional auf 1.8 m beschränkt. Sie orientiert sich an der Hitzeverbreitung und ist so gestaltet das beim mehrstufigen Räuchervorgang die Temperaturbereiche auf den einzelnen Stockwerken passend sind.
Im Obergeschoss gab es Aquarien mit Clownfischen und anderen Fischen. Eine blauer Fisch lag am Boden, schien aber gesund. Ein Schild erklärte, dass genau dieser Fisch für zahlreiche Reklamationen sorgt – sein Verhalten sei aber völlig normal.
Nach dem Museum fuhr ich weiter dem Strand entlang. Plötzlich war ich in ein abgesperrtes Gebiet geraten – dort wurden gerade neue Installationen aufgebaut. Man wies mich freundlich darauf hin.
Ich wich aus und beobachtete erste Militärjets am Himmel. In der Nähe befindet sich offenbar ein Stützpunkt – es kam zu mehreren Starts und Landungen.
Am Strand wurden Bagger vielseitig eingesetzt – z. B. für Bootsbergung oder zum Personentransport (!) in der Schaufel.
Ein Mann versuchte ins Wasser zu gehen, wurde aber sofort zurückgeworfen – er überschlug sich mehrfach. Wohl besser so.
Schon auf dem Hinweg waren mir streunende Hunde aufgefallen – meist einzeln und schlafend. Bei kühlerem Wetter zeigten sie sich aktiver, blieben aber zum Glück auf Distanz.
Auf dem Rückweg fuhr ich etwas weiter südwärts. Zuerst kam der Heping Square mit einer Friedenstaube, kurz danach der Pacific Ocean Park mit einem Hai-Mural.
Dann erreichte ich erneut einen Strand – den Nanbin Park. Ich setzte mich hin und beobachtete eine Gruppe Jugendlicher, die versuchte, einen vom Wasser umspülten Stein zu berühren. Es gelang ihnen nie.
Mein letzter Halt war der Container-Starbucks. Unterwegs sah ich noch an Seilen angebundene Zebu Rinder, die im taiwanischen Alltag oft ungenau als ‚Wasserbüffel‘ bezeichnet werden und am Strassenrand das Gras frassen – aber nicht auf den Weg gelangen konnten. Teilweise befand sich auf dem Rücken ein Java-Mynah-Vogel der in einer (Putz) symbiotischen Beziehung Insekten vom Rücken pickt.
Hier einige Videos zur Fahrradtour: